Hawaiian ersetzt 25-jährige Boeing 717-200 mit fast gleich alten Boeing 737-800
10.08.2026 Quelle: Alaska Airlines
Seit rund 25 Jahren setzt Hawaiian Airlines auf den in dichter Frequenz angebotenen Flugverbindungen zwischen den Inseln des Archipels auf die Boeing 717-200. Das ursprünglich von McDonnell Douglas unter der Bezeichnung MD-95 lancierte Flugzeug stellt die letzte Version aus der langen Reihe der Kurzstreckenjets aus der DC-9-Familie dar. Aktuell fliegen noch 19 Einheiten des Musters als «Inselhüpfer» zwischen den Inseln Big Island O'ahu, Kau'i und Maui. Diese Flüge dauern in der Regel zwischen 20 und 40 Minuten. Entsprechend hoch ist die Anzahl Flugzyklen, die die Boeing 717-200 ansammeln, zumal sie mangels Etops-Zulassung und Reichweite nicht zu Destinationen ausserhalb des Archipels verkehren.
oben: Die Boeing 717-2BL N495HA trägt das aktuelle Design, das Hawaiian 2017 eingeführt hat. Es betont nicht nur das Motiv der Hibiskusblüte im Heck neu, sondern trägt auch einen silbernen Blütenkranz rund um den Rumpf, der wohl an den traditionellen Lei anspielt, mit dem Besucher der Inseln begrüsst werden (Rob Finlayson, Honolulu, 22.1.20).
unten: In einer Computeranimation zeigt die Alaska Airlines-Gruppe eine Boeing 737-800 im Hawaiian Airlines-Design, wie sie ab 2028 zum Einsatz kommen soll (Visualisierung Alaska Airlines, Juli 2026).
Eine erste Boeing 717-200 hat Hawaiian Airlines deshalb bereits ausgeflottet: Die 2001 gebaute N481HA wurde im August 2020 mit 66'200 Zyklen aber nur 28'600 Flugstunden ausgemustert und abgebrochen. Da sich nun weitere Boeing 717-200 dem Ende ihrer wirtschaftlichen Einsatzdauer nähern, hat die Muttergesellschaft Alaska Airlines entschieden, sie ab 2027 durch Boeing 737-800 aus ihren eigenen Beständen zu ersetzen. Diese Flugzeuge sind zwar nur wenig jünger als die Boeing 717-200, doch sind sie bei Alaska Airlines wesentlich längere Strecken geflogen. Typischerweise setzt Alaska sie ab Seattle auf den Routen nach Alaska (rund drei Flugstunden), entlang der Pazifikküste bis San Diego, auf Transkontinentalflügen sowie auf Urlauberflügen zu mexikanischen Badezielen ein, wobei allesamt Flugzeiten von bis zu vier Stunden oder mehr (je nach Destinationenpaar) resultieren. Sie weisen somit wohl deutlich mehr Flugstunden auf, weisen jedoch insbesondere bei den Flugzyklen, die eine grössere Belastung für die Zelle darstellen als die reine Flugzeit im Reiseflug, eine grössere restliche Einsatzdauer auf als die Boeing 717-200.
Alaska Airlines hat sich bisher nicht geäussert, ob sie einen Ersatz im Verhältnis 1:1 plant, denn die Boeing 737-800 bietet rund 1/3 mehr Kapazität als die Boeing 717-200. Diese Tatsache nutzt Alaska Airlines aktuell aber eher dazu, Werbung für einen vereinfachten Transport von Surfboards dank des grösseren Rumpdurchmessers zu machen. Ausserdem will sie auch die Anzahl Premium-Sitze gegenüber den Boeing 717-200 erhöhen, indem sie die Anzahl First Class-Sitze von acht auf 16 verdoppelt und neu 30 Premium-Economy-Sitze einbaut. Auf den ersten Blick scheint dieser Schritt bei den kurzen Inselhüpferflügen kaum Sinn zu machen. Es darf aber zweierlei nicht vergessen werden: Zum ersten dienen diese «Inter-Island Services» vielen Passagieren als Zubringer zu ihren weiterführenden Flügen ab Honolulu auf das US-Festland und nach Fernost, und zum zweiten ist die Boeing 737-800 grundsätzlich sowohl ETOPS-fähig wie auch mit ausreichender Reichweite ausgestattet, um selbst von Hawaii an die US-Westküste verkehren zu können - Alaska Airlines nutzt selbst eine entsprechend ausgestattete Teilflotte für solche Verbindungen.
Es geht schon bald los
Eine erste Boeing 737-800 wird Alaska Airlines bereits ab Beginn des kommenden Winterflugplans fest in Honolulu stationieren und für drei tägliche Rotationen nach Kahului (Maui) nutzen, um damit die Boeing 717-200 zu entlasten. Die eigentliche Transition auf die Boeing 737-800 beginnt dann im Frühjahr 2028, wenn Alaska Airlines die Flugzeuge in schneller Kadenz zur Verfügung stellen will. Die ab 2028 definitiv auf Hawaii eingesetzten Flugzeuge werden dann auch die Hawaiian Airlines-Bemalung tragen und von hawaiianischen Besatzungen geflogen werden.
Neben den bereits erwähnten zusätzlichen Premium-Sitzen werden die Boeing 737-800 neu auch Starlink-WiFi, Recaro-Ledersitze und USB-Anschlüsse bieten. Auch wenn Hawaiian die Flugzeuge primär für den Markt zwischen den Inseln betreiben will, bieten sie zumindest die Option, auch für längere Rotationen eingesetzt zu werden, etwa zu weiteren Inselzielen im Pazifik wie Pago-Pago auf Amerikanisch-Samoa (Flugzeit 5:40) oder Papeete auf Tahiti (Flugzeit 5:50), was in etwa der Distanz und Flugzeit für die Strecke Seattle-Honolulu entspricht, die Alaska Airlines im Oktober 2007 mit ETOPS-tauglichen Boeing 737-800 eröffnet hat. Allerdings darf man davon ausgehen, dass auch die Hawaiian Boeing 737-800 einen Tribut für die vielen kurzen Hüpfer in der salzreichen Seeluft werden bezahlen müssen und wohl eher eine Übergangslösung für einige Jahre darstellen als dass sie den Luftverkehr auf Hawaii für die nächsten 25 Jahre prägen werden.
Als Alaska Airlines im Herbst 2007 ihre Flüge ab der US-Westküste nach Hawaii aufnahm, erhielten diejenigen ihrer Boeing 737-800, die hierfür mit ETOPS-Zulassung nachgerüstet wurden, ein spezielles Design, bei dem der Inuit Chester auf dem Hecklogo einen Lei um den Hals gelegt bekam, wie es ankommeden Touristen auf Hawaii traditionell auch widerfährt. Die Boeing 737-890 N517AS mit Baujahr 2009 ist aktuell immer noch bei Alaska Airlines im aktiven Einsatz (Lukas Lusser, Seattle/Tacoma, 30.6.10).