Schwieriges Jahr für den Flughafen Graz - Airport spürt Turbulenzen

26.10.2026    Quelle: Franz Zussner, Korrespondent Österreich         

Die Auswirkungen auf die internationale Luftfahrt, wie die Kriege in der Ukraine und im Iran sind auch am Flughafen Graz zu spüren, betonen die Flughafenchefs Wolfgang Grimus und Jürgen Löschnig sowie Holding Graz Vorstand Mark Perz bei einem Pressegespräch am 20. Oktober 2026 im Flughafen Restaurant.

Graz ohne Austrian Airlines

Austrian Airlines (AUA) hat nun per 23. Oktober den Binnenflugverkehr nach Wien eingestellt. Somit ist die rot-weiss-rote Heckflosse zumindest im Linenverkehr Geschichte. Eigentlich ist die Einstellung der Flüge umweltpolitisch völlig sinnlos, so Experten, denn der CO2 Ausstoss verlagert sich nun auf andere Routen und schadet so dem Wiener Flughafen. Ursprünglich war die Einstellung erst mit der Inbetriebnahme des Semmering-Basis-Tunnels der Bahn, geplant für Ende 2029, vorgesehen. In guten Zeiten flogen immerhin mehr als 130'000 Passagiere jährlich auf dieser Kurzstrecke, die nun auf andere Hubs, wie Frankfurt, München und Zürich ausweichen werden, und diese Passagiere werden dem Flughafen Wien sehr fehlen.

Lufthansa hat bereits reagiert und wird von Embraer 195 der Tochter Air Dolomiti auf grösseres Fluggerät umstellen, wie die Airbusfamilie A319/320/321. Sie kann so mehr Passagiere und auch mehr Fracht über ihre Hubs (München, Frankfurt) transportieren.

Eine eventuelle Rückkehr der Flüge nach Wien wäre gemäss Grimus eventuell mit neuen E-Flugzeugen erwartbar, aber das wird wohl noch einige Jahre dauern, je nach Entwicklungsstand am Flugzeug-E-Sektor.

Bis zum 19. Oktober 2026 konnten am Grazer Flughafen 684'000 Passagiere verzeichnet werden, das sind «nur» 0,4 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, so Flughafen GF Wolfgang Grimus. Allerdings wurden im Sektor Charter sechs Prozent weniger Passagiere abgefertigt und die Flugbewegungen sanken um fast fünf Prozent. Im Gesamtjahr 2026 werden rund 810'000 Passagiere erwartet, das sind gut 20'000 weniger als 2025.

Eurowings lässt den Hub-Graz auf und wird das stationierte Flugzeug abziehen und anderswo einsetzen, wahrscheinlich am Standort Berlin. Sie bleibt aber dem Flughafen Graz treu und fliegt weiterhin die Destinationen Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Palma/Mallorca an. Auch neue Airlines konnten zumindest saisonal gewonnen werden. Aegean aus Griechenland fliegt nach Rhodos, Freebird und Corendon fliegen nach Heraklion, Air Cairo nach Hurghada und SkyAlps fliegt nach Olbia. Beliebte Strecken und Sonderflüge mit Gruber- und Springerreisen ergänzen das Flugangebot. Swiss stockt zudem die Linie nach Zürich auf tägliche Flüge auf.

Austrian Airlines ist am Grazer Flughafen Geschichte, nachdem die mit Embraer 195LR wie der OE-LWA bediente Wien-Linie am 25.10.26 letztmals bedient wurde. Nicht nur für Graz, sondern auch für den Umsteigehub Wien ist der Verlust der jährlich rund 130'000 Transitpassagiere schmerzhaft, die die Verbindung hauptsächlich genutzt hatten (Hartmuth Schröttner/AirportClub Graz, Graz, 8.7.22).  

Kerosinpreise, Flugsteuern, Bahn

Der Krieg im Iran und die Sperre der Strasse von Hormus liessen auch den Kerosinpreis deutlich ansteigen. Als Beispiel nannte Geschäftsführer Grimus die Mehrkosten für einen Flug von Graz nach Hamburg um 7'000 US-Dollar und von Graz nach Hurghada um rund 20'000 US-Dollar. Dass die Airlines darauf reagieren werden und somit den Flugpreis verteuern bzw. die Strecken ausdünnen oder gar einstellen werden ist daher nicht von der Hand zu weisen.

Die in Österreich geltenden Flugsteuern zwischen 12 und 30 Euro pro Passagier und Strecke, die es nur mehr in acht EU-Staaten gibt, und die hohen Standortkosten, wie Flughafen- und Flugsicherungsgebühren, sind Gründe, die Airlines dazu bewegen, Strecken einzustellen, die nicht mehr rentabel sind (Graz-Wien) bzw. Fluggerät aus Österreich, vor allem aus Wien, abziehen und ins benachbarte Ausland (Bratislava, Ljubljana) verlegen, wo es keine Flugsteuern gibt. So hat sich Wizz Air zur Gänze aus Wien zurückgezogen und Ryanair verlagert ebenfalls immer mehr Flugzeuge von Wien nach Bratislava. Dort wachsen die Passagierzahlen um unglaubliche 170 Prozent, während es in Wien zu Rückgängen von monatlich bis zu sieben Prozent kommt. Die Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Verkehrsflughäfen (ÖAV) - Vizepräsident ist derzeit GRZ-Geschäftsführer Wolfgang Grimus - appelliert daher an die Bundesregierung, diese wettbewerbshemmende Flugsteuer zu halbieren und am besten ganz abzuschaffen.

Bezüglich Bahnanschluss des Flughafens Graz tut sich aber doch etwas. Ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2026 wird je Fahrtrichtung ein Zug pro Tag direkt aus Kärnten ausgeleitet und hält dann an der derzeitigen S-Bahn-Haltestelle Flughafen Graz-Feldkirchen, immerhin besser als gar nichts. Ein Umsteigen in Graz Hbf fällt dabei weg. Selbstverständlich bleibt aber die Koralmbahn-Flughafenhaltestelle oberste Priorität in der Steiermark. Auch aus Nordslowenien gibt es erfreuliche Nachrichten. Ab Mitte Dezember werden dann mehr als 20 Züge aus Maribor kommend an der Flughafen S-Bahn-Station halten. Das ist sozusagen eine Art «Rückholaktion» aus Slowenien, denn durch die hohen Abgaben verliere der Grazer Flughafen Passagiere an Ljubljana/Laibach, so Grimus.

Eurowings schliesst zwar ihre Basis mit einem lokal stationiertem Fluggerät in Graz, wird aber den Flughafen in der Steiermark weiterhin regelmässig ab den Destinationen Berlin, Düsseldorf, Hamburg und Palma de Mallorca bedienen (Franz Zussner, Graz, 3.5.23).

Gute Fracht-Entwicklung

Von Jänner bis September 2026 gab es ein Plus von 9,5 Prozent im Cargo-Sektor, so Grimus. Hier handelt sich um eine Mischform zwischen echter Flugzeugfracht und dem LKW-Verkehr auf der Strasse (Trucking) so Grimus. Durch die Umstellung auf grössere Flugzeuge der Lufthansa - siehe oben - kann auch mit Passagierflugzeugen viel mehr Fracht befördert werden. Das bedeutet mehr Flexibilität und eine noch bessere Anbindung an das globale Netzwerk von LH-Cargo. Speziell der boomende Pharma-Sektor lässt zukünftig ein Mehr an Fracht erwarten.

Abseits des Fluggeschäfts

Wichtige Schritte bei der CO2-Reduzierung konnte durch den flächendeckenden Einsatz von HVO-100 erzielt werden. Bei Neuanschaffungen wird, wenn möglich, auf elektrische Varianten zurückgegriffen. Der Airport dient auch immer öfter als Event-Location, wie zum Beispiel für Messen (Reise- Bildungs und Berufsmessen) sowie Seminare- und Vorträge. Aber auch der jährliche Airport-Run im Juni, der einem guten Zweck dient, hat immer mehr Zulauf. Nicht zur vergessen ist die Vermietung und Verpachtung von Werbeflächen, die Geld in die Kassen spült. Spekulationen von Medien über den Flughafenverkauf an das Land Steiermark hält Perz für ein falsches Gerücht. Ein Verkauf steht überhaupt nicht zur Debatte.