United muss Boeing 777-200 wegen Triebwerksproblemen abstellen

17.01.2026    Quelle: Flightaware         

Mehrmals haben in der Vergangenheit durch Brüche von Turbinenschaufeln für spektakuläre Zwischenfälle mit den alternden Boeing 777-200 der United Airlines geführt, glücklicherweise jeweils ohne dass es zu Verletzungen oder Todesfällen bei den Insassen gekommen wäre: So am 13.2.18 auf dem Flug UA 1175 von San Francisco nach Honolulu, am 20.2.21 auf dem Flug UA 328 von Denver - wiederum - nach Honolulu oder zuletzt am 14.12.25 auf dem Flug UA 803 von Washington Dulles nach Tokio. Bei den betroffenen Jets handelte es sich jeweils um mit Pratt & Whitney PW4077 ausgerüstete Boeing 777-222 aus der Stammflotte der United, nicht jedoch um die mit General Electric GE90 ausgerüsteten Boeing 777-224, die United bei der Fusion mit Continental Airlines aus deren Beständen übernommen hat. 

Verschärfte Anforderungen des US-Luftamtes FAA an die Zuverlässigkeit der Triebwerke, die deren maximale Dauer von Flügen über Wasser reduzieren, und mangelnde Ersatzteile für eine zeitnahe Erneuerung von Bauteilen, die ihre maximale Einsatzdauer erreicht haben, zwingen United Airlines zum Handeln. So hat sie im Laufe des vergangenen Jahres mehrere ihrer frühen Boeing 777-222ER aus dem Plandienst abgezogen und in Victorville abgestellt. Offiziell bezeichnet United diese Massnahme als vorübergehend, denn momentan ist die Boeing 777-200 nach wie vor für die Langstreckendienste unverzichtbar: United besitzt derzeit 52 Boeing 777, die mit Pratt & Whitney PW4077 ausgerüstet sind, während ihre Flotte gesamthaft aus 77 Boeing 777-200 (inkl. der GE-Version) und 22 Boeing 777-300ER besteht. Bei total 96 Boeing 777 stellen also die 52 von den Triebwerksproblemen betroffenen Einheiten die Mehrheit dar, weshalb United bei einer Verschärfung des Problems Auswirkungen auf das Streckennetz, die angebotene Kapazität einer Verbindung oder kurzfristige Flugausfälle nicht ausschliessen kann.

oben: Im aktuellen Design der United Airlines überfliegt die 1999 gebaute Boeing 777-222ER N209UA nach dem Start von Piste 16 und der anschliessenden 270°-Kurve den Flughafen Kloten (Lukas Lusser, 17.6.25).

unten: Zu den inzwischen in Victorville abgestellten Boeing 777-222ER gehört seit Ende Oktober 2025 auch die N775UA, die Zürich in der Vergangenheit regelmässig auf der saisonalen Linie nach San Francisco besucht hat. Das Design der Bemalung mit dem blau/goldenen Globus stammt von Continental Airlines und wurde bei der Übernahme durch United Airlines flottenweit eingeführt (Lukas Lusser, Zürich, 7.6.16).

Abgestellte Einheiten - Ausmusterung in Sichtweit

Gemäss «ch-aviation» sind im Laufe des Jahres 2025 die Boeing 777-222 N214UA (am 7.7.25), N775UA (am 30.10.25) N777UA (am 29.11.25) und N212UA (am 29.12.25) nach Victorville überflogen und abgestellt worden. Am 6.1.26 folgte die N780UA. Während die N777UA offiziell als endgültig ausser Betrieb genommen aufgeführt wird, sind die übrigen vier Einheiten derzeit lediglich langfristig geparkt und für eine Rückkehr in den Plandienst vorgesehen, sobald sie überholt werden können.

Zugleich hat United Airlines angekündigt, dass sie beabsichtigt, alle ihre Boeing 777-200ER bis Ende 2027 endgültig auszumustern und durch Airbus A350-900 und Boeing 787-10 zu ersetzen. In diesen Zusammenhang passt auch die Umwandlung der Bestellung von 56 Dreamlinern von der Version Boeing 787-9 in die grössere Version Boeing 787-10.

oben: Bei ihrer Auslieferung im Jahr 2000 trug die Boeing 777-222ER N211UA der United Airlines die als «Battleship Grey» (also Schlachtschiff-grau) bezeichnete Bemalung, die zu Beginn der 1990er Jahre zeitgleich mit der beginnenden Auslieferung von Airbus A319 und A320-Flugzeugen an United eingeführt wurde (Lukas Lusser, Los Angeles, 5.12.05).

unten: Das zweite Design, das die 52 ursprünglichen Boeing 777-222ER der United Airlines zierte, war die blau/weisse Bemalung, welche bis zur Fusion von United Airlines und Continental Airlines Bestand hatte. Bei der hier gezeigten N774UA handelt es sich übrigens um die Boeing 777 mit Seriennummer 2 und somit die älteste Einheit in der Flotte der United (Lukas Lusser, Los Angeles, 5.12.05).

Lange Karriere der Boeing 777 bei United

United hat eine lange Beziehung zur Boeing 777, die ab 1995 ihre Vorgängermuster McDonnell Douglas DC-10 und Boeing 747-100/-200 abgelöst hat. Mit der nun ausgemusterten Seriennummer 7 N777UA - deren Kennzeichen natürlich kein Zufall ist - hatte United auch die allererste jemals im Liniendienst eingesetzte Boeing 777 in ihrer Flotte. Sie führte am 7./8. Juni 1995 auf der Strecke Washington Dulles - London Heathrow den weltweit ersten Passagierflug des Musters durch. Ihr folgten 51 weitere Flugzeuge des Typs, bei United zunächst unterteilt in für reine Inlandstrecken genutzte Boeing 777-222(A) und für ETOPS-Flüge über Wasser zugelassene Boeing 777-222(B). Diese nur inoffiziell genutzten Bezeichnungen fielen später weg, und die Flotte wurde auf einen einheitlichen Stand als Boeing 777-222ER gebracht. Während ihrer teilweise bald dreissigjährigen Dienstzeit erhielten die «Triple Seven» bis zu vier verschiedene Bemalungen der United Airlines, wie den beigefügten Bildern zu entnehmen ist.

Bei der Übernahme von Continental Airlines durch United Airlines am 1. Dezember 2011 stiessen 25 weitere Boeing 777-224ER zu United Airlines, womit die Flotte die stattliche Anzahl von 77 Einheiten anwuchs. Erst spät, ab 2016, führte United auch die grössere Boeing 777-322ER ein, von der sie mit 22 Einheiten vergleichsweise wenige Exemplare besitzt. Sie sind von den Problemen ihrer «kleinen» Schwestern nicht betroffen, da sie wie die ex-Continental Triple Seven von General Electric GE90 angetrieben werden.