Hawaiian Air - Die Geschichte einer tropischen Schönheit
24.06.2026 Andreas Herzog, jetstream.ch
Das ikonische Logo von Hawaiian Airlines soll – zumindest vorderhand – auch nach der Fusion mit Alaska Airlines nicht verschwinden. Die Marke Hawaiian wird für die Flüge im Pazifik weitergeführt, sowohl zwischen den USA und Hawaii wie auch auf den Langstreckenflügen mit A330 nach Asien (Milo Kalberer, Honolulu, 17.8.13).
«Welina mai ma luna o ka Hawaiian Airlines», zu Deutsch «Willkommen an Bord von Hawaiian Airlines»: Das polynesische Flair, die Gastfreundschaft und die herzliche Begrüssung der Hawaiianer ist auch heute noch auf jedem Flug mit Hawaiian spürbar. Wohl gehören die opulenten Ankunftszeremonien aus den 1950-er Jahren mit Orchideenkette, Hula-Tänzerinnen, Ukulele-Klängen und einem Mai-Tai Welcome-Drink für jeden Passagier bei Ankunft auf Hawaii der Vergangenheit an. Doch die Gastfreundschaft der Hawaiianer ist fest verankert, auch wenn Hawaiian Airlines im Oktober 2025 ihre Eigenständigkeit verloren hat und nun Teil von Alaska Air Group ist.
Mit 96 Jahren Firmengeschichte gehört die Hawaiian Airlines zu einer der ältesten Fluggesellschaften der Welt. Der Gründung erfolgte 1929 als Inter-Island-Airways, einer Tochter der Inter-Island Steam Navigation Company, die Fährschiffe zwischen den Inseln des Archipels betrieb. Den Flugbetrieb nahm sie am 6. Oktober 1929 mit einer Bellanca CH-300 auf, bald ergänzt mit zwei Sikorsky S-38 und ab 1935 mit der Sikorsky S-43 (beides Flugboote). Zu dieser Zeit konnte das junge Unternehmen lediglich die verschiedenen hawaiianischen Inseln im Archipel bedienen. 1941 wurde Inter-Island-Airways in Hawaiian Air umbenannt. Im selben Jahr wurden die betagten Flugboote durch werksneue Douglas DC-3 ersetzt – nur wenige Monate bevor Hawaii von Japan angegriffen wurde und die USA in den zweiten Weltkrieg eintraten.
Die DC-3 wurde für mehr als zwanzig Jahre lang zum «Arbeitstier» bei Hawaiian Airlines, und insbesondere nach dem Kriegsende verliess sie sich vollständig auf das Muster. Ein nächster Meilenstein stellten die ersten Flugzeuge mit Druckkabine in Form der Convair 340 und 440 dar, von der ab 1953 total 13 Stück in die Flotte aufgenommen wurden. Ab 1965 wurden die Convair-Props auf Rolls Royce Dart-Propellerturbinen umgebaut und leisteten so ihren Einsatz weiter bis 1974.
oben: Die Convair 640 N5510K der Hawaiian Air wurde zunächst als Convair 340 mit Wright R-2800 Kolbenmotoren ausgeliefert, bevor sie auf Rolls-Royce Dart 542-Propellerturbinen umgerüstet wurde. Im gleissenden Mittagslicht erwartet sie das Boarding ihrer Passagiere, denen man den Airline-Namen buchstäblich auf Schritt und Tritt klar ersichtlich macht (Karl Freund, Honolulu, 7.4.70).
unten: Zwischen 1976 und 1980 bewarb sich Hawaiian Air mehrmals um die Logistik-Aufträge der US-Streitkräfte und baute hierfür in Macon, Georgia, eine Frachttochter auf, die insgesamt acht verschiedene Lockheed L-188 Electra im Rahmen der Inland-Frachtflüge des «Logair»-Programms einsetzte. 1980 gab Hawaiian den Auftrag inklusive der Flugzeuge an Zantop International ab. Auch die L-188PF N415MA, später auf N341HA umregistriert, ging diesen Weg und flog anschliessend noch bis 1992 bei Zantop (Sammlung Andy Herzog, Macon, März 1978).
Das Jetzeitalter begann bei Hawaiian Air am 3. Dezember 1966, als sie ihre erste McDonnell Douglas DC-9 übernahm, um schrittweise die Convairs auf den Flügen zwischen den Inseln des Archipels zu ersetzen. Hawaiian war somit eine frühe Kundin des Kurzstreckenjets aus Santa Monica, von dem sie fast zeitgleich mit Grosskunden wie Delta Air Lines, TWA, Air Canada und KLM zwei Einheiten aus früher Produktion direkt beim Hersteller orderte und weitere Exemplare bald aus zweiter Hand erwarb. Nach der Einflottung der DC-9 der Versionen DC-9-10, DC-9-30 und DC-9-51 (1966 bis 1981) folgten ab Mitte der 1980er Jahre auch erste Mittel- und Langstreckenjets: DC-8-62/63 (ab 1983), Lockheed L-1011 Tristar 50 (ab 1985), sowie McDonnell Douglas DC-10-10/30 (ab 1994).
Mit diesen Mustern konnte Hawaiian in den 1980er Jahren ihre Tätigkeit über die Inselgruppe hinaus auf neue Langstrecken-Destinationen erweitern: Mit zunächst drei DC-8-62 aus Beständen der Braniff International und der United Airlines wurden ab 1984 Pago Pago, Amerikanisch-Samoa und Tonga angeflogen. Daneben kam sie aber auch auf weltweiten Truppen-Charterflügen im Rahmen des US Military Airlift Command zum Einsatz, so etwa gelegentlich auch nach Frankfurt. Eine ihrer unter der Woche für Truppenflüge genutzten DC-8 kam im Sommer 1983 jeweils an den Wochenenden sogar unter der Regie des Reisebüros Ferien Service im Sublease auf der saisonalen Rich Air-Charterkette Miami – Zürich – Miami zum Einsatz.
Bald kamen zu den DC-8 fünf Lockheed L-1011 Tristar 50 aus Beständen der ANA All Nippon Airways hinzu, die auf täglichen Flügen zur amerikanischen Westküste eingesetzt wurden. Nach und nach baute Hawaiian diese Verbindungen weiter aus. Zudem wurden Linien nach Tahiti und Rarotonga ins Streckennetz aufgenommen. Ab 1993 ersetzte Hawaiian Air die L-1011 TriStar durch DC-10-10/30, die sie aus Beständen der American Airlines anmietete. Ihre Herkunft sah man den DC-10 weiterhin an, denn sie wurden bei Hawaiian während ihrer gesamten Nutzungsdauer in einer silbernen Hybridbemalung eingesetzt. Auch sie kamen hauptsächlich auf den Verbindungen zum US-Festland zum Einsatz.
oben: Hinter der McDonnell Douglas DC-9-51 N669HA versteckt sich gleich in zweierlei Hinsicht ein spezielles Flugzeug und eine ehemalige alte Bekannte: Sie wurde im Dezember 1974 als Prototyp der DC-9-51 gebaut und von McDonnell Douglas als N54641 als Prototyp für die Musterzulassung genutzt, bevor sie im November 1975 als erste von zwölf bestellten Einheiten an Swissair ausgeliefert wurde, wo sie als HB-ISK bis zu ihrer Veräusserung im Oktober 1986 im Einsatz stand (Felix Gasser, Kona, 26.11.91).
unten: Die McDonnell Douglas DC-10-10 N128AA der Hawaiian Airlines kann ihre Herkunft aus Beständen der American Airlines nicht verleugnen: Nicht nur das unveränderte Kennzeichen und der weiterhin silbern polierte Rumpf erinnern eindeutig an die Vorbesitzerin, sondern auch die unterhalb der Kabinenstreifen noch deutlich erkennbare Aufschrift «Luxury Liner» geht auf AA zurück (Lukas Lusser, Las Vegas, 19.3.2000).
Ein besonderer Aspekt der Hawaiian-Inter-Island-Flüge begann 1987 mit der Eröffnung des neu angelegten Flugplatzes Kapulua im Westen der Insel Maui. Der in den Abhang der West Maui Mountains gebaute Flugplatz wurde zur Bedienung nahe gelegener Ferienresorts unter Federführung der Hawaiian Airlines geplant und gebaut. Da die Lage und lokale Geographie nur eine 300ft/900 Meter lange Piste zulässt, benötigte Hawaiian Airlines ein passendes Flugzeugmuster, um den neuen Airport bedienen zu können. Sie schaffte sich hierzu acht De Havilland Canada DHC-7 an, die über STOL-Fähigkeiten verfügten und dennoch bis zu 50 Passagiere pro Flug nach Kapalua transportieren konnten. Zu den Blütezeiten des Flughafens führte Hawaiian sowie ihre Konkurrentin Aloha (mit deutlich kleineren DHC-6 Twin Otter) bis zu 30 tägliche Flüge ab Honolulu und anderen Destinationen auf dem Archipel nach Kapalua durch, und die jährlichen Passagierzahlen erreichten knapp 200'000 Fluggäste. Mit der Ausserdienststellung ihrer Dash 7 im Jahr 1994 beendete Hawaiian jedoch die Verbindung nach Kapalua/West Maui und verkaufte den Flugplatz an die lokale Gemeindeverwaltung.
Ab 2001 begann bei Hawaiian Air eine umfassende Flottenmodernisierung. Bis 2003 kaufte sie 19 Boeing 717-200 – ursprünglich als MD-95 lanciert – für den Inselverkehr und 14 Boeing 767-300ER für die Mittel- und Langstrecke. Die neuen Flugzeugtypen ersetzten die veralteten DC-9 und DC-10. Nach einem Insolvenzverfahren nach Chapter 11 und der Reorganisation ihrer Finanzen kündigte die nun als Hawaiian Airlines auftretende Gesellschaft an, mit dem Kauf von vier weiteren 767-300 den Verkehr zwischen Hawaii und dem amerikanischen Festland auszubauen. Im Mai 2010 erhielt sie im Rahmen eines weiteren Flottenausbaus ihren ersten Airbus A330-200. Insgesamt übernahm sie in den Folgejahren 16 A330 als Ersatz für die Boeing 767.
Am 23. Juli 2014 bestellte Hawaiian Airlines bei Airbus sechs A330-800neo. Diese sollten eine bestehende Bestellung von ebenfalls sechs A350-900 ersetzen. Im März 2018 gab Hawaiian allerdings bekannt, stattdessen bei Boeing zwölf B787-9 fest und acht weitere als Optionen zu erwerben, welche die bestehenden Airbus-Jets ersetzen sollten und die A330-800neo Bestellung damit hinfällig machten. Vier dieser Dreamliner wurden ab 2024 ausgeliefert, inzwischen jedoch zu Alaska Airlines transferiert, um deren Aufbau eigener Langstreckenrouten nach Europa zu ermöglichen.
Im Dezember 2023 wird die geplante Übernahme von Hawaiian Airlines durch Alaska Air Group (Alaska Airlines) von beiden Unternehmen bekanntgegeben und die entsprechenden wettbewerbsrechtlichen Schritte eingeleitet. Am 18. September 2024 wird die Übernahme von Hawaiian Airlines durch die Alaska Airlines formell beschlossen. Hawaiian Airlines ist somit eine Tochtergesellschaft der Alaska Air Group. Gegen aussen bleibt nach momentanem Wissensstand der Beteiligten die Marke Hawaiian unverändert bestehen, doch hinter den Kulissen hat Hawaiian Airlines ein zentrales Kapitel abgeschlossen. Im Rahmen der Übernahme hat Hawaiian Airlines nämlich nach 96 Jahren der Eigenständigkeit ihr eigenes AOC (Aircraft Operators Certificate) zurückgegeben, um fortan unter dem AOC der Alaska Airlines zu operieren. Am 29. Oktober 2025 wechselte Hawaiian Air deshalb ihr angestammtes und weitherum bekanntes Rufzeichen «HA» respektive «HAL» (Hawaiian) zum Rufzeichen «ASA» (Alaska). Der letzte Flug, der das Hawaiian-Rufzeichen verwendete, war der Flug HA866 vom 29. Oktober 2025 zwischen Pago Pago und Honolulu, durchgeführt mit einer A330-200.
Die Marke Hawaiian wird von Alaska Airlines im Pazifik jedoch beibehalten - sie aufzugeben wäre angesichts ihrer Bekanntheit und regionalen Verankerung ein Fehler. Neben den gängigen «Insel-Hüpfer-Destinationen» auf dem hawaiianischen Archipel wie etwa Oahu, Maui, Big Island, Lanai, Moloka’i und Kauai betreibt sie unter der Hawaiian-Marke auch ein ansehnliches Langstreckennetz. Nebst diversen US-Westküstendestinationen wie Las Vegas, Los Angeles, Portland, San Diego, San Francisco, Seattle und Vancouver ist Hawaiian auch in New York, Boston und anderen Ostküsten-Städten der USA präsent. Nicht mehr wegzudenken sind ihre Destinationen im Südpazifik wie Tahiti, Pago Pago, Rarotonga und weitere, kleinere polynesische Inseln im Südpazifik. Stark auf asiatische Kunden eingestellt sind aber auch Flüge nach Fernost Teil des Programms, durchgeführt mit den A330. So bedient Hawaiian auch Ziele in Japan, Südkorea und den Philippinen.
Zum Schluss noch ein Wort zu Hawaiian's Flirt mit der Schönheitskönigin: Nicht nur unter Flugzeugfans, sondern auch unter der lokalen Bevölkerung und bei Fluggästen, die Hawaiian Airlines kennen lernen durften, geniesst die zeitlose Bemalung der Flugzeuge mit der jungen Frau mit Orchideen-Blüte im Haar, die das Heck ziert, beinahe einen ikonischen Status. Erwähnenswert dabei dürfte es sein, dass die Inselschönheit nicht etwa das Phantasieprodukt eines talentierten Grafikers ist, sondern einer realen Person Tribut zollt. Das Hawaiian-Logo zeigt die auf Maui geborene Leina'ala Drummond (28.5.46-18.9.23), die 1964 als Schönheitskönigin den Titel der Miss Hawaii erwarb, ihre Brötchen aber während zehn Jahren als Mitarbeiterin der Marketingabteilung bei Hawaiian Air verdiente. Das 1973 mit ihrem Profil eingeführte Design wurde zwischenzeitlich zwar mehrfach überarbeitet, ihren Platz auf dem Seitenleitwerk konnte Leila'ana aber seit nunmehr 53 Jahren erfolgreich verteidigen.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Sie finden die vollständige Geschichte der Hawaiian, von den Anfängen bis zur Integration in die Alaska Airlines-Group, in voller Länge an Ihrem Kiosk, abgedruckt in der Juni-Ausgabe des Luftfahrtmagazins Skynews.ch. Zudem finden Sie in unserer Hawaiian-Galerie eine Sammlung von Bildern von 1970 bis 2025 und weitere Hintergrundinformationen.
unten: Längst reicht das Inlandnetz der Hawaiian bis an die US-Ostküste, wobei ein Non-Stop-Flug von Honolulu nach Boston beispielsweise je nach Wind und Route doch stolze 11 bis 11 1/2 Stunden dauert. Somit ist der Airbus A330-243 N381HA bei seinem Rückflug in die Heimat nahe seinem maximalen Startgewicht (Francesco Frasa, Boston, 22.7.19).