Bürgenstock-Gespräche bringen eine sanktionierte iranische A321 in die Schweiz

22.06.2026             

Lange Zeit herrschte Unklarheit über den zwischen den USA und dem Iran ausgehandelten Waffenstillstand, den Washington wiederholt als vor dem Abschluss stehend ankündete, zuletzt in Form einer offiziellen Unterschrifts-Zeremonie auf dem Bürgenstock am Freitag, 19.6.26, vermittelt durch Qatar und Pakistan. Nachdem die Dokumente aber bereits zwei Tage zuvor elektronisch unterzeichnet und ausgetauscht wurden, annullierten beide Seiten das Ratifizierungstreffen kurzfristig; ein auf den Freitag Morgen angesetzter Sonderflug von Teheran nach Zürich wurde deshalb ebenfalls abgesagt. 
Ebenso kurzfristig beraumten sie aber den Start direkter Verhandlungen hochrangiger Delegationen am Wochenende vom 20./21. Juni an, zudem US Vizepräsident J.D. Vance bereits am Samstag Mittag anreiste. Die iranische Seite bildete eine grössere Delegation mit dem Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf und Aussenminister Abbas Araghtschi an der Spitze, für die der zunächst am Freitag vorgesehene Flug auf den späten Samstag Abend verlegt wurde. Durchgeführt wurde er wie ursprünglich geplant mit einem Airbus A321 der iranischen Fluggesellschaft Meraj Airlines, deren Namen aus dem Arabischen übersetzt «Aufstieg» oder in religiösem Sinne «Himmelfahrt» bedeutet. 

Nach der Landung der iranischen Delegation kurz nach 22:00 Uhr am Samstag positionierte der Airbus leer nach Genf, wo er bis am Sonntag Abend geparkt blieb. Wegen diplomatischer Verstimmungen über die Position der US-Seite drohten die Iraner am Sonntag mit einer Abreise, und das Flugzeug der Delegation flog - möglicherweise um dieser Drohung mehr Gewicht zu geben, am Sonntag kurz nach 18:00 Uhr von Genf an den Zürcher Flughafen zurück. Offenbar wurden die Gespräche inzwischen aber wieder aufgenommen, und am Montag morgen verkündeten sowohl die Delegationen der USA wie auch der Irans «substanzielle Fortschritte der Gespräche», die in rund 60 Tagen zu einem endgültigen Abkommen führen sollen.

Während die USA eine temporäre Lockerung der internationalen Sanktionen auf den Handel mit iranischem Öl bis Ende August bekannt gaben, sicherte der Iran eine Öffnung der Schifffahrtswege durch die Strasse von Hormuz zu. Nach Verkündung dieser ersten Gesprächserfolge verliessen die Delegationen den Bürgenstock. Nach drei Bewegungen in finsterer Nacht nahm die Meraj A321-231 EP-SSM deshalb nun am späten Montag-Vormittag den knapp sechsstündigen Rückflug nach Teheran bei Tageslicht in Angriff.

Auf der Einstiegsseite trägt der Airbus A321-231 EP-SSM der Meraj Airlines zusätzlich eine politische Botschaft: Der Sticker «Minab168» verweist auf 168 Schülerinnen aus der Stadt Minab, die gemäss iranischer Darstellung durch den Abwurf einer amerikanischen Bombe auf ihre Schule am 28. Februar 2026 ums Leben gekommen sind (Lukas Lusser, Zürich, 22.6.26).

Beim fraglichen Flugzeug handelt es sich um einen 2003 für MEA Middle East Airlines gebauten A321ceo, der bis März 2017 beim libanesischen Flagcarrier im Einsatz stand, zunächst mit dem Kennzeichen F-ORMI, ab 2010 dann registriert als OD-MRI. Nach der Einflottung der ersten A321neo bei MEA wurde er als UR-CPY an die ukrainische Khors Aircompany verkauft, von wo aus er aber unverzüglich als EP-ZGA an Zagros Air in Teheran weiterveräussert und am 19.3.17 in den Iran überstellt wurde. Dies geschah während des kurzen Zeitfensters ab 2016, in dem die internationalen Sanktionen gegen den Iran im Zuge des unter Präsident Obama ausgehandelten Atom-Abkommens gelockert wurden, bevor Donald Trump sie während seiner ersten Amtszeit 2018 wieder in Kraft setzte.

Seit Januar 2023 hat Meraj Airlines das Flugzeug angemietet und auf das Kennzeichen EP-SSM umregistriert. Meraj ist sowohl als kommerzielle Airline tätig, steht aber offenbar auch unter enger Aufsicht der Iranischen Revolutionsgarden und führt Exekutivflüge für deren Angehörige und die Regierung des Irans durch. Die Flotte besteht aktuell aus zwei A300-600R (ex China Southern Airlines), zwei A321ceo, einem A320ceo, zwei A319ceo, zwei Avro RJ85, die offiziell Teil der Regierungsflotte sind, sowie drei aktuell abgestellten Dassault Falcon 50 respektive Falcon 900-Businessjets. Aktuell steht Meraj Airlines wegen ihrer Nähe zum Militär auf der US-Sanktionsliste - der Flug in die Schweiz wurde deshalb mit einer diplomatischer Ausnahmebewilligung durchgeführt, was sich auch im Rufzeichen «Iran03» zeigt, das der Airbus bei sämtlichen seiner Bewegungen - also auch auf den Leerflügen zwischen Genf und Zürich - nutzte. Gemäss Flightradar24 ergab sich folgender tatsächlicher Flugplan (alle Zeiten lokal):

19 Jun 2026: Iran03 Teheran (THR) - Zürich (ZRH), annulliert
20 Jun 2026: Iran03 Teheran (THR) 18:09 - Zürich (ZRH) 22:15
20 Jun 2026: Iran03 Zürich (ZRH) 23:14 - Genf (GVA) 23:42
21 Jun 2026: Iran03 Genf (GVA) 18:27 - Zürich (ZRH) 19:02
22 Jun 2026: Iran03 Zürich (ZRH) 10:50 - Teheran (THR) 17:24

Der Airbus A321-231 EP-SSM der Meraj Airlines sieht in seinem Erscheinungsbild beinahe so aus, als käme er aus Beständen der Qatar Airways. Dies ist jedoch nicht der Fall, der ehemalige MEA Middle East Airlines-Airbus wurde via ein ukrainisches Unternehmen in den Iran verkauft (Lukas Lusser, Zürich, 22.6.26).