Flughafen Wien: Neue Strecken, altbekannte Differenzen um Gebühren und Abgaben

15.06.2026    Quelle: Franz Zussner, Korrespondent Österreich         

Gleich mehrere neue Airlines darf der Flughafen Wien derzeit begrüssen: Seit 30. März 2026 fliegt die lettische Airline Air Baltic (BT) dreimal wöchentlich von Wien nach Talinn in Estland. Jeweils am Mo, Mi, Fr fliegt eine A220-300 in knapp 2 Stunden und 30 Minuten in die Hauptstadt von Estland und ergänzt damit die bestehenden täglichen Flüge nach Riga in Lettland. Air Baltic ist neu auch Wetlease-Partner von Austrian Airlines auf Kurz- und Mittelstrecken, nachdem Austrian die Zusammenarbeit mit Braathens Regional aufgrund der Insolvenz im Dezember 2025 beendet hat. 

FlyOne (5F) aus Armenien verbindet seit 3. April 2026 Wien mit Jerewan vorerst dreimal wöchentlich. Als Fluggerät dient ein Airbus A320 und ab Sommer 2026 stehen bereits zehn wöchentliche Flüge von Wien nach Jerewan auf der Agenda. Diese neuen Flüge stärken den Incoming-Tourismus aus Armenien und setzen zusätzliche Impulse für Business-Reisen, betonte der Wiener Flughafenchef Julian Jäger. 

Air Corsica (XK) fliegt seit 7. Juni 2026 einmal wöchentlich (So) nach Ajaccio und ab 14. Juni zusätzlich zweimal wöchentlich (Mi, So) von Wien nach Bastia. Beide Verbindungen sind derzeit nur saisonal bis zum 4. Oktober 2026 vorgesehen, aber die Tourismuswirtschaft denkt schon daran, beide Verbindungen auf die Mittelmeerinsel langfristig weiterzuführen. Als Fluggerät dient ein Airbus A320. Air Corsica verbindet seit 1989 die Insel mit rund 37 Destinationen in Frankreich und Europa und dient im Wesentlichen zur touristischen und wirtschaftlichen Anbindung von Korsika.

Über ein Comeback von Royal Jordanien Airlines (RJ) freut man sich in Wien ganz besonders. Die seit 2020 wegen Corona unterbrochene Verbindung von Wien nach Amman wird am 24. Juni 2026 wieder aufgenommen. Vorerst viermal wöchentlich (Mo, Mi, Fr, Sa) kommt ein A320neo aus Amman nach Wien und lässt die bei Touristen besonders beliebte Verbindung nach Jordanien wieder aufleben. Ziele wie Petra, Wadi Rum oder Totes Meer sind Zugpferde für den österreichischen Tourismus in Jordanien. 

Eine weitere Verbindung steht ab 17. Juli 2026 an, wenn Animawings (A2) aus Rumänien zweimal wöchentlich zwischen Wien und Cluj-Napoca starten wird. Mit einem modernen Airbus A220-300 geht es so direkt in das Herz von Siebenbürgen, das für seine kreative Szene, historische Altstadt und für das besondere Flair Transsilvaniens bekannt ist. Animawings wurde 2020 gegründet und hat ihren Sitz in Bukarest-Otopeni. Ihr Fokus liegt auf der Verbindung rumänischer Städte, wie Bukarest, Timisoara und Cluj-Napoca mit europäischen Metropolen sowie mit Urlaubsdestinationen. 

oben: Mit Air Corsica zeigt sich im wahren Wortsinn ein neues Gesicht am Flughafen Wien-Schwechat. Saisonal bis zu dreimal wöchentlich verkehrt die korsische Fluglinie im Sommer 2026 zwischen Wien und den Destinationen Ajaccio und Bastia (Franz Zussner, Wien, 7.6.26).

unten: Bereits fünf Airbus Canada A220-300 stehen aktuell im Dienst der Animawings. Die ersten beiden Einheiten wurden bereits Ende Dezember 2024 ausgeliefert, so die YR-FUN sowie die hinten im Bild erkennbare YR-CHR (Animawings, Bukarest-Otopeni, Januar 2025).

 

Ryanair verringert Flugangebot ab Wien

Der irische Billigflieger zieht dagegen ein weiteres Flugzeug von Wien ab und überstellt es nach Bratislava (BTS). Ryanair-Boss Michael O`Leary betonte auf der Pressekonferenz am 26. Mai auf dem Flughafen der slowakischen Hauptstadt Bratislava und nach einem super Kurzstreckenflug von BTS nach Wien (VIE) ebenso auf der anschliessenden PK im VIP-Terminal des Flughafens Wien, dass er das Fluganbot ab VIE weiter reduzieren wird, wenn die Österreichische Bundesregierung nicht gewillt ist, die Flugabgabe von 12 Euro pro Flugticket und Passagier umgehend abzuschaffen. 

Da entsprechende Entscheide bisher ausgeblieben sind, wird Ryanair das Angebot auf dem Flughafen Bratislava zu Lasten Wiens ausbauen und ein weiteres Flugzeug - nunmehr vier Flieger - in BTS stationieren. In Wien sind dann nur mehr 14 Ryanair/Lauda-Jets stationiert, vor zwei Jahren waren es noch 19. Ryanair betreibt seit 20 Jahren eine Basis am Flughafen Bratislava (BTS) und wollte bereits damals BTS als den Flughafen «Vienna East» vermarkten. Doch durch die von Niki Lauda betriebene Fluglinie Laudamotion und deren Übernahme durch Ryanair im Jahr 2018 wurde der internationale Flughafen Wien selbst zu einen Ryanair-Airport und es erübrigte sich die angedachte Expansion in BTS. 

In vielen Teilen Europas werden laut Ryanair-Gründer Michael O'Leary die Luftverkehrssteuern abgeschafft und Flughafengebühren gesenkt, um Wachstum zu fördern. Deshalb ist seiner Ansicht nach auch das Passagieraufkommen am BTS im April 2026 um rekordverdächtige 170 Prozent gestiegen, während in Wien der Verkehr im selben Zeitraum um mehr als acht Prozent zurückgegangen ist. Im ersten Quartal 2026 konnte der Flughafen Wien seinen Umsatz zwar um über sechs Prozent steigern (2339,6 Mio Euro), einen Gewinn über 42 Mio. erzielen, das Passagieraufkommen von Januar bis März 2026 konnte sich aber nur um rund 1,6 Prozent verbessern, Im April des laufenden Jahres gab es bereits einen Rückgang von 1,5 Prozent. Gründe dafür sind die Kriege im Nahen Osten und der Ukraine sowie der Rückzug sogenannter Low-Cost-Carrier am Standort Wien. Statt mehr als 32 Mio. Passagiere wie im Vorjahr, werden für das Gesamtjahr 2026 um gut zwei Millionen Passagiere weniger erwartet. Das VIE Management ist daher auch für eine Reduktion der Flugabgabe und der Senkung von Gebühren, um als Hub weiter wachsen zu können. 

Die Gründe dafür sind primär der vollständige Rückzug von Wizz Air und der Teilrückzug von Ryanair. Der Flughafen Bratislava liegt nur rund 50km Luftlinie vom VIE entfernt und Buslinien bieten daher vermehrt Zubringer-Express-Verbindungen von Wien zum Flughafen Bratislava an. Sollte Österreich die «unglückliche» Luftverkehrssteuer abschaffen, der Flughafen Wien Wachstumsanreize schaffen und auch die Flugsicherungsgebühren um mindestens 50 % gesenkt werden, dann wäre Ryanair bereit, ihren Wachstumsplan von 1 Milliarde US-Dollar umzusetzen, der in den kommenden fünf Jahren ein Passagierwachstum in Österreich auf 12 Millionen (+70 Prozent) vorsehen würde, stellt O'Leary in den Raum.

Gewohnt medienwirksam geben sich der Lauda-Geschäftsführer Andreas Gruber und Ryanair-Gründer Michael O'Leary in ihrem permanent geführten Kampf gegen Umweltabgaben und hohe Luftfahrtsgebühren, die ihrer Meinung nach am besten gleich ganz abgeschafft werden sollten (Ryanair, Wien, 7.2.26).

Auszeichnung «Beste Lounge Europas»

Die «Vienna Lounge» wurde bereits zum dritten Mal in Folge von «Priority Pass» mit den «Excellence Awards» ausgezeichnet. Sie wurde bei den «Excellence Awards 2026» abermals zur «Lounge of the Year» gekürt und ist damit die beste Airport Lounge in Europa innerhalb des «Priority Pass»-Netzwerkes. Die Rangliste des weltweiten Netzwerkes basiert auf mehr als 700'000 Mitgliederbewertungen und erfolgte nach einer Vielzahl von Kriterien, wie die Qualität der Einrichtung, Kundenservice, Auswahl und Qualität an Speisen und Getränken sowie der allgemeinen Zufriedenheit. Das elegante Interieur mit Designerelementen aus der Wiener Schule, bequeme und hochwertige Möbel und ein top Panorama-Blick auf das Vorfeld schaffen ein helles und angenehmes Ambiente. Die gesamte Lounge ist mit hochwertigen Kunstdrucken von bekannten Werken bedeutender heimischer Künstler, wie Egon Schiele, Gustav Klimt und viele mehr ausgestattet und vermittelt Wien von seiner schönsten Seite.

Die mit dem «Priority Pass Excellence Award» als beste Lounge Europas ausgezeichnete Vienna Lounge besticht durch ein helles Interieur und viel Raumgefühl (Flughafen Wien, 2026).