Loganair - Schottlands traditionsreiche Fluglinie fliegt nun saisonal in die Schweiz

09.06.2026    Quelle: Ralf Kurz, Freier Mitarbeiter         

Aktuell fliegen 14 ATR 72 der Versionen -500 und -600 bei Loganair und bilden so das Rückgrat der Flotte. Ab ihrer aktuellen Basis auf Guernsey kommt die ATR 72-600 G-LMTE derzeit auf dem wöchentlichen Flug nach Zürich zum Einsatz, den Loganair für Rolf Meier Reisen saisonal anbietet (Lukas Lusser, 6.6.26).

Die traditionsreiche saisonale Flugverbindung zwischen der Kanalinsel Guernsey und Zürich wurde seit 2009 im Auftrag des Reisebüros Rolf Meier Reisen von der lokalen Anbieterin Blue Islands im Wochenrhythmus geflogen. Mit dem Konkurs der Blue Islands Ende Oktober 2025 fiel der langjährige Partner des Reisebüros aus. Doch mit der schottischen Loganair, gegründet 1968 und somit eine feste Grösse im englischen Regionalflugverkehr, konnte eine Nachfolgerin für die saisonale Zürich-Verbindung gefunden werden, die eine reiche Geschichte aufweist.

Die 1962 als Familienunternehmen gegründete Loganair zählt heute in Grossbritannien zu den führenden Marken im Regionalflugsektor. Erste planmässige Flüge begannen 1967 mit diesem Muster auf den Orkneys, und später Shetland Inseln. Von 1968 bis 1983 im Besitz der Royal Bank of Scotland wurde man danach ein Mitglied der Airlines of Britain Group. Nach einer Umstrukturierung der Konzernmutter operierte der Carrier ab 1994 bis 2008 als langjähriger Franchisenehmer von British Airways. Anschliessend folgte ein Franchisevertrag mit Flybe, der 2017 beendet wurde. 

Am 1. September 2017 brach bei Loganair deshalb ein völlig neues Zeitalter an. Mit dem Ende der Franchise mit Flybe flog man nach vielen Jahrzehnten wieder als eigenständige Airline. Den Premierenflug übernahm die als G-LGNA registrierte Saab 340 von Glasgow nach Islay. Das Flugzeug präsentierte erstmals die neu entworfene, unverwechselbare Tartan-Bemalung. Es ist ein rotes Schottenkaro, bestehend aus traditionellen Webmustern und informiert über die Clanzugehörigkeit. Die Saab 340 wurde zwar ab 2021 auf der Route nach Islay durch moderne ATR 42 der beiden Serie 500 und 600 abgelöst. Doch Loganair weiss, dass man dem schwedischen Flugzeugmodell viel zu verdanken hat. Vielleicht würde das Unternehmen ohne dem langjährigen Einsatz des Musters gar nicht mehr existieren, glauben Branchenexperten. Bis zu siebzehn Exemplare waren zeitweise im Einsatz. Neben Saab 340B betrieb man auch ein Duo Saab 340A, mit weniger Reichweite, schwächeren Triebwerken und geringerer Zuladung. Doch als Frachter und im Dienste der Royal Mail waren beide bestens geeignet. Die Saab 340 rettete während Corona nicht nur Menschenleben, sondern die eigene Firma. Niemand anders versorgte die entlegensten Inseln des britischen Königreiches zunächst mit Testkids, und später mit Impfstoffen. Ambulanzflüge bewahrten schwer erkrankte Insulaner oft in letzter Minute vor dem Tod. Nach dem Ende der Pandemie, durch den plötzlichen Nachfrageboom, erwies sich die bewährte Saab 340 mit ihren 34 Plätzen jedoch als zu klein. Grössere Maschinen wie die ATR 42 sowie ATR 72 mit Kapazitäten für 48 und 72 Passagiere lösten sie auf Strecken mit wachsendem Aufkommen ab. Das französische Nachfolgemodell punktet besonders durch bessere Flugstabilität bei den oft stürmischen Wetterverhältnissen.

oben: Im Farbkleid der British Airways Express betrieb Loganair als Franchisenehmerin die Britten-Norman BN-2B Islander G-BJOP. 2011 wurde sie nach Pakistan verkauft (Ralf Kurz, Kirkwall, 7.8.98).

unten: Während des Franchisevertrags mit Flybe flog die Loganair Saab 340B G-LGNJ im Design der in Jersey ansässigen Airline (Lukas Lusser, Edinburgh, 9.6.13).

Um Loganair braucht sich derzeit niemand Sorgen machen. Laut Luke Farajallah, der den Chefposten im März 2024 übernahm, schreibt die Airline seit 2022 wieder Gewinne. Als alleinige Eigentümer fungieren seit 2012 die Brüder Stephen und Peter Bond über ihre Holdingfirma Airline Investments Limited. Die Flotte bestand im November 2025 aus vier ATR 42-500, zwei ATR 42-600, zehn ATR 72-600. vier ATR 72-500CF und zehn Embraer ERJ-145. Die einzige De Havilland DHC-6 Twin Otter, und zwei im Auftrag der Regierung betriebene Viking DHC-6 Twin Otter, kommen zur Strandpiste von Barra sowie nach Tiree zum Einsatz. Ein Duo von Britten-Norman BN-2 Islander übernimmt für die lokale Verwaltung auf den Orkneys den interinsularen Verkehr. Darunter befindet sich auch die weltweit kürzeste Linienverbindung zwischen Westray und Papa Westray mit zwei Minuten Flugzeit. Neben dem Firmensitz in Glasgow ist die Flotte auf acht weiteren Einsatzbasen in Aberdeen, City of Derry, Dundee, Edinburgh, Inverness, Jersey, Isle of Man und Newcastle vertreten.

Eine Erweiterung des Streckennetzes war vorerst nicht geplant, doch kommt es manchmal ganz schnell anders als man denkt: Als am 30. Oktober 2025 die auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey tätige Blue Islands unter einer angehäuften Schuldenlast kollabierte und den Betrieb schlagartig einstellte, dauerte es nur gerade zwei Wochen, bis Loganair den Weg nach Süden gefunden hatte und auf diversen Verbindungen, die von der Regierung der Kanalinseln finanziell unterstützt werden – in die Bresche sprang, während die lokale Konkurrentin Aurigny Air Services ebenfalls einen Teil der verwaisten Blue Islands-Destinationen übernahm.

Teil der Nachfolge durch Loganair sind auch die saisonalen Flüge ab den Kanalinseln nach Mitteleuropa, so auch in die Schweiz. Deshalb wird sie im Sommer 2026 erstmals am Schweizer Himmel zu sehen sein. Der Schaffhauser Touroperator Rolf Meier Reisen fand dank Loganair rasch eine neue Lösung für sein geplantes Flugprogramm auf die Kanalinseln: Vom 30. Mai bis am 22. August 2026 landet eine Loganair ATR 72-600 jeden Samstag gegen 14:00 in Kloten, um nach 45 Minuten Standzeit wieder nach Jersey zurückzufliegen. Damit fliegt die Regionalairline zu neuen Zielen, die konventioneller anzusteuern sind als die Loganair-Operationen in Barra, auf den neuen Hebriden oder Islay.

oben: Auf Barra gilt: Gibt dir die Natur einen idealen Flugplatz, dann nutze ihn, wie er ist. Die Viking DHC-6-400 G-HIAL jedenfalls hat keinerlei Probleme mit dem Landen und Starten auf dem Sand (Ralf Kurz, Barra, 25.9.25).

unten: Die De Havilland Canada DHC-6-310 G-BVVK dient als Back-Up-Flugzeug für die Verbindung der Loganair nach Barra. Fällt eine der beiden moderneren Viking DHC-6-400 aus, tritt sie an deren Stelle den Flug zum windigen Sandstrand-Airport an (Ralf Kurz, Glasgow, 25.9.25).

Starten und Landen zwischen Ebbe und Flut

Der beste Ersatz für die DHC-6 Twin Otter ist eine andere Twin Otter – so lautet nicht nur unter Buschpiloten eine alte Binsenweisheit. Nirgendwo anders bewahrheitet sie sich aber so überzeugend wie im schottischen Barra, einer abgelegenen Insel auf den Äusseren Hebriden. Der dortige Flugplatz geniesst in Fachkreisen einen legendären Ruf. Er ist weltweit der einzige Airport, wo Linienflieger am Strand landen und starten. Sein gälischer Name Traigh Mhor heisst übersetzt Grosse Bucht, zumindest für die 1200 Bewohner des 59 km2 grossen Eilandes. Mit der Fähre braucht man mindestens fünf Stunden, um das Festland zu erreichen. Von dort geht es dann noch mit Bahn, Bus oder dem Auto weiter bis zu den städtischen Metropolen. Das Flugzeug dagegen braucht nicht mal eine knappe Stunde bis zur Megacity von Glasgow. Diesen Job übernehmen seit 1981 die bewährten DHC-6 Twin Otter von Loganair im Auftrag diverser Betreiber. Daher wechselten deren Farbkleider im Laufe der Zeit immer wieder.

Als 2008 eine modernisierte Version der Twin Otter als Viking DHC-6-400 auf den Markt kam, nahm das schottische Transportministerium das sehr verlustreiche, aber unverzichtbare Geschäft mit den Inselflügen selber in die Hand. Ein Duo fabrikneu erworbener Twin Otter der Serie 400 verkehrt deshalb seit Mitte 2015 zweimal täglich zwischen Glasgow und Barra. Betrieben von Loganair im Auftrag der Regierung. Beide Maschinen sind in dunkelblauen Nationalfarben lackiert und tragen die exakt passenden Kennzeichen G-HIAL und G-SGTS. Denn der staatliche Flughafenbetreiber Highland and Islands Airport Limited ist neben Barra noch für zehn andere Flugplätze im Hochland und den vorgelagerten Inselgruppen zuständig. Mit etwas Fantasie könnte man die zweite Registrierung als Scotland Government Transport Section interpretieren.

Warum aber benötigt man für die Linienflüge zwischen Glasgow und Barra zwei Twin Otter? Dass sich Ankunfts- und Abflugzeiten in Barra nach den Gezeiten richten müssen, leuchtet ein. Um jedoch zwei tägliche Rotationen mit nur einer Maschine durchführen zu können, reicht der Zeitraum zwischen Ebbe und Flut nicht aus. Kurz bevor der erste Linienkurs nach Glasgow zurückkehrt, startet dort schon die nachfolgende, zweite Maschine. Manchmal kommt es vor, dass die DHC-6 wegen sehr starkem Rückenwind bis zur Landung noch eine Runde über Barra drehen muss. Bei höchster Flut beträgt der Wasserstand des Strandareals zwischen 80 cm bis 1,50 Meter. Der Airport verfügt über drei mit Holzpfählen markierte Landebahnen. Perfekt passend für häufig wechselnde Windrichtungen. Die Länge der Pisten bewegen sich von 680 m (11/29), 799 m (07/25) bis 846 m (15/33). Vor jeder Landung findet eine obligatorische Kontrollfahrt statt, um Ausschau nach Treibgut und unsichtbaren Mulden zu halten. Denn sollte die Maschine beim Rollen im Sand stecken bleiben, hätte man ein Riesenproblem. Ausserdem gilt es die Muschelsammler und neugierige Spaziergänger auf sicheren Abstand zu halten.

Loganair ist nicht die einzige regionale Fluglinie, die an der rauhen schottischen Küste tätig ist. So sind etwa auch Hebridean Air Services und Air Task vor Ort tätig, wobei die genannten Fluglinien gerade bei der Bedienung der abgelegenen, durch Regierungszuschüsse finanzierten essentiellen Verbindungen zu kleinen Siedlungen und wenig bewohnten Inseln auch Hand in Hand arbeiten, die Flugpläne aufeinander abstimmen und gegenseitige Anschlüsse einrichten. Einen Bilderbogen mit weiteren Bildern zur schottischen Regionalluftfahrt finden sich hier in unserer Foto-Galerie.

unten: Nicht weniger als 18 verschiedene Short 360-100 wie die G-BLGB dienten ab Mitte der 1980er und bis weit in die 1990er Jahre zeitweise bei Loganair, was sie zu einem der wichtigsten Nutzer des liebevoll auch «Shoebox» (Schuhschachtel) genannten Commuterflugzeugs mit seiner rechteckigen und somit besonders geräumigen Kabine machte (Lukas Lusser, Edinburgh, 21.6.88).